” Twinwin” – geht`s noch

Zum Start-up „Twinwin“

Fair rausschmeißen?

Rolf Geffken  UZ vom 28. Mai 2021

Dieser Tage meldete die sogenannte „Gründerszene“, dass ein sogenanntes Start-up mit dem Namen „Twinwin“ Chefs dabei helfe, „Mitarbeiter fair zu entlassen“. Nanu? Haben jetzt stylische Unternehmensberater den Stein der Weisen gefunden, wie man Beschäftigte loswerden kann?

Was Anwälte manchmal nicht schaffen und was Verbandsfunktionäre nicht hinkriegen, das soll nun mit einem „Flatrate-Abo“ für 95 Euro im Monat möglich werden. Dabei muss man sich noch nicht einmal auf „analogen“ Anwaltsbesuch einlassen, nein: Es geht mit einer Software, „die die nächsten Schritte einer Kündigung erklärt und Fragen beantwortet“. Die Software sagt dem Nutzer angeblich auch, „wie man sich bei einem Gespräch verhalten und welche Sätze man vermeiden soll“. So erklärt es jedenfalls die Mitbegründerin des Start-ups, die ehemalige Anwältin Eleni Arvaniti, die für kein geringeres Unternehmen als „Price-Waterhouse“ tätig war.

Wahlplakatt der DKP 2021
Wahlplakatt der DKP 2021

Krisen machen erfinderisch. Und die Corona-Krise hat auch das Beratungsgeschäft gebeutelt. Da kann man schon mal auf Ideen kommen, zum Beispiel darauf, dass viele Rechtsabteilungen „keine sozialen Kompetenzen“ haben und viele Personalabteilungen „kein juristisches Know-how“ besitzen. Und da will das Berliner Start-up „Twinwin“ Abhilfe schaffen.

Na ja, warum auch nicht? Obwohl man da das Gefühl nicht loswird, als wolle da jemand gegen das Rechtsberatungsmissbrauchsgesetz verstoßen. Aber wir verraten es nicht. Sollen doch die Anwaltskammern selber dahinterkommen, zumal das Angebot sich ja nicht an abhängig Beschäftigte richtet, denen wir hier in erster Linie verpflichtet sind.

Aber auf eines wird man hinweisen dürfen: Die Behauptung, es gehe darum, Mitarbeiter „fair“ zu entlassen, ist eine Augenwischerei. Es geht darum, Beschäftigte zu entlassen; darum, dass ein Mensch seinen Arbeitsplatz verliert. Was, bitte, kann daran „fair“ sein?

Ja, es soll „fair“ aussehen. Es sollen Beschäftigte über den Tisch gezogen werden, möglichst selbst ihrer Kündigung und einem Aufhebungsvertrag zustimmen. Und alles soll „sauber“ aussehen und geräuschlos über die Bühne gehen. Aber kennen wir dieses Spiel nicht alle, die sich mit dem Arbeitsleben auskennen? Braucht es dafür eine Software? Was soll das ganze „Englisch-Sprech“, Legaltech, Start-up und so? Klingt toll, klingt modern, klingt wegweisend.

Aber das ist nicht der Weg der Arbeiter und Angestellten. Für sie gilt, gleich ob modern oder alt, immer das Gleiche, solange es kapitalistische Produktionsverhältnisse gibt: Lasst euch nicht über den Tisch ziehen! Wahrt eure Rechte, glaubt nicht Sirenengesängen. Lasst euch beraten und unterschreibt nichts unbesehen.

Dann nützt dem Arbeitgeber auch eine „Legaltech-Software“ herzlich wenig.

DKP auf Zielgerade

Wera Richter| UZ vom 28. Mai 2021

 Der Bundestag hat in der vergangenen Woche das Bundeswahlgesetz geändert. Eine Änderung war unter anderem von der DKP gefordert worden, weil die Sammlung von Unterstützerunterschriften für kleine Parteien, um überhaupt zur Bundestagswahl zugelassen zu werden, unter Pandemiebedingungen erheblich erschwert ist. Nun wurde das Quorum der zu sammelnden Unterschriften für Parteien, die nicht im Bundestag vertreten sind, auf ein Viertel reduziert. Damit sinkt die Hürde für Landeslisten von in der Regel 2.000 zu sammelnden Unterschriften auf 500. Die Anzahl für Direktkandidatinnen und -kandidaten reduziert sich von 200 Unterschriften auf 50. Damit hat die DKP neun ihrer elf Landeslisten und einen Großteil der Direktkandidaturen abgesichert.

Unsere Kandidaten für Recklinghausen : Unterstützungsformulare hier – Bundestagswahlen 2021

Direktkandidat Werner Sarbok, Recklinghausen I

der Bundestagswahlkreis 121 umfasst die Städte Recklinghausen, Castrop-Rauxel und Waltrop

Direktkandidat Detlef Beyer-Peters, Recklinghausen II

der Bundestagswahlkreis 122 umfasst die Städte Marl, Datteln, Haltern am See, Herten und Oer-Erkenschwick